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Blackout in Europa und warum Deutschland keine Hilfe ist

 

11. Januar 2021

Mega-Blackout: Ganz knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt

so berichtet die Presse aus Österreich und spricht von einem massiven Absacken der Netzfrequenz ->Link

Das Europäische Verbundnetz ist durch wetterabhängige Stromerzeuger und mangelnden Ausbau zuverlässiger Kraftwerke immer öfter Extremsituationen ausgeliefert, die einen europaweiten Blackout heraufbeschwören. Noch haben die Sicherungssystem funktioniert, aber leider kann Deutschland keine Hilfe zur Stabilisierung leisten.

Wie den unteren Grafiken zu entnehmen ist, muss Deutschland bei fehlender Wind- und Sonnenenergie (Zufallsstrom) Strom importieren. Die Situation am 08.01. hätte es erforderlich gemacht, dass DE seine Stromerzeugung hoch fährt, was aber leider wegen fehelendem Wind+Sonne, sowie fehlender konventioneller Kapazitäten nicht möglich war.

 

 

Der Fast-Black-Out (BO) vom 8.1.2021 (14:05)

Hintergrundinfos von Prof. Dr. Peter Dierkes:

 „Ausgelöst wurde die Störung im Europäischen Netz durch Frankreich. Schon am 7.1 musste Frankreich (RTE, Le Réseau de Transport de l‘Électricité) wesentliche Teile der stromintensiven Industrie vom Netz nehmen. Die Alarmstufe ROT wurde für das gesamte Netz Frankreichs verfügt“.

Wichtig: folgende Gründe sollen ausschlaggebend gewesen sein: 
1) die polare Kältewelle ist früher eingetreten als meteorologisch erwartet, mit für Frankreich tiefen Temperaturen, 

2) bedingt durch Revisions-Verzögerungen durch das Corona-Management (s. eine Revision und BE-Wechsel ist extrem personalintensiv) sind derzeit 13 KKW (Kernkraftwerke) in F.  nicht am Netz, 

3) trotz heftiger EDF-Warnungen hat die Macron-Regierung (s. deutscher Einfluss, Merkel/Grüne) die 2 Blöcke Fessenheim (beide voll  funktionsfähig) abgeschaltet (d.h. es fehlen damit zusätzlich fast 2GW), 

4) FOLGE: es musste deshalb ab Donnerstag massiv zu sehr hohen Preisen importiert werden, 
a) bei kontinentalen Hochdrucklagen gibt es keinen Wind (und zwar in ganz Europa), 
b) bei einer installierten Leistung von 57 GW-WE war die verfügbare Leistung kleiner als 1000 MW (bekanntlich gibt es auch im Jänner wenig Sonne / ignoriert durch die Politik), 

5) so wurde am 8.1. seitens der RTE die französische Bevölkerung aufgerufen (!), elektrische Geräte + Heizungen abzuschalten + auch keine EA mehr aufzuladen / das wurde jedoch nicht durchgehend eingehalten, 

6) deshalb blieb nur mehr die Möglichkeit, über flächendeckende Abschaltungen bzw. über Absenkung der Netzspannung um rd. 5% einzugreifen (s. seit den 60ern gab es in F keine vergleichbare Situation), 

7) D konnte auch keine Hilfestellung anbieten, das war der Auslöser, eine Trennung der Europäischen Netze aus Sicherheitsgründen durch ENTSO vorzunehmen (s. begleitet mit gesamteuropäischen Problemen und kritischen Frequenzeinbrüchen von rd. 260 mHz), 

8) es hat dann gut eine Stunde gedauert, die Frequenz wieder zu stabilisieren, 

9) Süd-Deutschland, Bayern und Österreich konnten durch das stabilen Netz Tschechiens (!) gehalten werden (s. Temelin und Dukovany im Vollbetrieb).

Beachte: 
1) es steht noch der 02/21 vor der Tür, mit bekanntlich noch tieferen Temperaturen, 
2) Interessant: Polen hat zwischenzeitlich D aufgefordert, die KKW unmittelbar wieder in Betrieb zu nehmen (bzw. zu lassen), da andernfalls die Stabilität der Strom-Versorgung in Europa massiv gefährdet würde.
Erinnerung: am 4.11.2006 mussten > zehn Mio.  Haushalte in Westeuropa vom Stromnetz getrennt werden.

Die extrem tiefem Temperaturen in Nordspaniem unterstreichen das Problem.

 

Der aktuelle Vorfall des Frequenzabfall auf 49,742 Hertz ist hier und hier technichsch erklärt.

Zitat aus Artikel: Eine frequenzstabilisierende Wirkung durch die Massenträgheit der Rotoren der Windkraftanlagen gibt es nicht, da die Netzkopplung elektrisch über Umrichter erfolgt. Der erzeugte Gleichstrom wird in eine digitalisierte Sinuskurve überführt und als Drehstrom abgeführt, bei zu starker Abweichung von der Netzfrequenz schalten sich die Anlagen ab.

 

Ein Beitrag in der "Welt am Sonntag" beschreibt die aktuelle Situation sehr gut, es wächst die Angst vor der Versorgungslücke.

Auszug: "...Die Stromlücke werde jedenfalls „bereits im ersten Jahr nahezu 100 Milliarden Kilowattstunden betragen“, heißt es in den EUPD-Berechnungen. Das entspräche fast einem Fünftel des zu diesem Zeitpunkt erwarteten Strombedarfs.


"Kraftwerke am Limit" titelt die Lausitzer Rundschau. Dunkelflaute Wind+Sonne liefern kaum Energie.

Auch andere Länder haben Probleme, so gab es bereits 2016 in Australien einen Blackout. ->Link

In Deutschland gab es den letzten chaotischen und berdrohlich Vorfall im Juli 2019 ->Link

 

 

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